Geschichtliches

Nastätten im Spiegel der Geschichte Klaus-Dieter Otto > 03.2010

- Zur Geologie

Der Untergrund besteht aus zwei Schichten, die aus ganz verschiedenen Erdzeitaltern stammen. Das Untergrundgestein des Rheinischen Schiefergebirges stammt aus dem Erdaltertum, die Deckschicht  oder der Boden aus den geolo-gisch jungen Phasen - Jungtertiär, Quartär, Holozän - der Erdentwicklung. Das Untergrundgestein aus dem Devon- Zeitalter ist 400 - 350 Millionen Jahre alt. Damals war Mitteleuropa und somit auch Nastätten ein flaches Meer. Im Laufe des Devon-Zeitalters entstand ein bis zu 4.000 Meter dicker Meeresgrund, hauptsächlich, aus angeschwemmten Sandpartikeln aber auch aus Korallen und Schalentieren wie beispielsweise Muscheln. > Bild Versteinerung > Steinbruch Beck > 1ste Nastätter

Jeder Felsen hier, ist eigentlich uralter Meeresboden. Durch tektonische Vorgänge in der Erdkruste wurde dieser vor 350 - 270 Mio. Jahren, in der Karbonzeit, zu einem Hochgebirge aufgefaltet. Durch Wasser- und Windkräfte wurden das Hochgebirge (Variskisches Gebirge) welches sich von der Mitte des heutigen Frankreichs bis über den Harz erstreckte, innerhalb gut 300 Mio. Jahren wieder abgetragen. Übrig geblieben ist nur der tief in der Erdkruste versenkte, durch Druck und Hitze verfestigte Teil des Meeresbodens - das zukünftige Rheinische Schiefergebirge. Das war allerdings damals relativ flach und mehr eine Ebene. Zwar bestanden schon die heutigen Geländekonturen, die Höhenunterschiede waren aber geringer und das Geländeniveau lag mehr als 300 m tiefer. Vor rund 3 Mio. Jahren begannen erneut tektonische Vorgänge in der Erdkruste, die zu einer Anhebung des Rheinischen Schiefergebirges führten. Dieser Vorgang dauert immer noch an.

Bedingt durch die Anhebung wurden die Höhenunterschiede zwischen den Tälern und den Höhenzügen wesentlich größer. Der Rhein, die Lahn und die Wisper schürften sich im Wettlauf mit der Anhebung des Umlandes ihre engen Täler. Auch das Mühlbachtal und die umgebenden Hanglagen bei Nastätten - die sogenannt „Nastätter Mulde“ ist damals entstanden. Das Felsgestein befindet sich heute unter einem Mutterboden der hauptsächlich aus Lößlehm und zum kleineren Teil aus Quarzkiesen besteht.

Der Lößlehm ist die Grundlage einer ertragreichen Landwirtschaft.

- Zur ersten Besiedlung und Gründung

Nastätten ist ein uralter Siedlungsraum in ca. 250 Meter Höhe über dem Meeresspiegel. Im heutigen Forst Pfarrhofen wurde vor ca. 500 - 400 Jahren v.Chr. ein Hügelgräberfeld angelegt. Bereits in den Jahrhunderten nach Christi Geburt gehörte dieser Siedlungsraum und wohl auch Nastätten zur äußersten Grenzmark des römischen Weltreiches. Der nahe Verlauf des Limes mit den Kastellen Holzhausen, Pohl und Marienfels lässt diese Annahme zu.

Über die Gründung und Besiedlung des Ortes ist nichts Genaueres bekannt. Vielleicht deutet die Endung des Ortsnamens „stätten“ auf eine alemannische Gründung im 3. - 5. Jahrhundert n.Chr. hin.

Urkundlich erwähnt wird Nastätten erstmals 893, als „Nasteden“ in einem Güterverzeichnis der Abtei Prüm (Eifel). Das Kloster besitzt hier einen großen Hof und 2 Mühlen.

 

- Zum Ursprung des Städtenamens

Auch die Herkunft des Namens ist unklar. In der Umgebung von Nastätten gibt es viele Ortsnamen mit der Endung „hofen“. Das ist ein typischer Hinweis für einen fränkischen Ursprung. Das gilt aber nicht für Nastätten. Zwei Begriffe - „hnack“ für „Nacken“ und „steda“ für „Ort, Platz, Stätte“ aus einem germanischen Dialekt der Völkerwanderungszeit - könnten allerdings der Ursprung des Namens sein.

Der Turm der ev. Kirche in Nastätten ist mit Sicherheit das älteste erhaltene Gebäude von Nastätten. Damals sieht das Gelände auf dem die Kirche steht wesentlich anders aus. Der Wehrturm mit Schießscharten und ein mit ihm verbundenes, heute nicht mehr bestehenden romanischen Kirchenschiff, stehen frei auf einer relativ hohen Felsformation, die steil in Richtung Mühlbach abfällt.

Unsere Vorfahren haben schon seit langer Zeit menschliche Körperteile  für eine Ortsbestimmung  benutzt.

Von Bogel aus betrachtet ist diese Felsformation der „Nacken“ der Kirche. So ist der Namen „hnack steda“ (Nackenstätte) -„nacksteda“- „nasteda“ - Nasteden - Nastede - Nastätten vielleicht entstanden.

In Schriftstücken ist die Ortsbezeichnung bis 1710 fast immer „Nastede“ oder „Nasteden“.

 

- Zu den Besitzverhältnissen / Eigentümern

Nastätten hatte in seiner wechselvollen Geschichte sehr viele „Eigentümer“.

Im Jahr 893 gehört „Nasteden“ dem Kloster Prüm in der Eifel. Vom Kloster Prüm erhalten die Grafen von Katzenelnbogen Nastätten zunächst als Lehen und kaufen es 1449. Als der letzte Eigentümer und Graf Phillipp von Katzenelnbogen stirbt, gehört Nastätten, laut einem Erbvertrag, ab 1479 Nastätten dem Landgrafen Heinrich von Hessen. Aber auch das verwandte Haus Nassau-Dillenburg erhebt Erbansprüche. Es kommt zu dem berühmten Katzenelnbogener Erbfolgestreit. Er dauert über 50 Jahre und beschäftigt seinerzeit die bedeutendsten deutschen Rechtsgelehrten. In dem sogenannten Frankfurter Vertrag wird 1557 das Haus Hessen-Kassel in einem Vergleich zum alleinigen Eigentümer der Niedergraf-schaft Katzenelnbogen erklärt. Nastätten ist nun bis 1806 Eigentum der Land-grafen von Hessen-Kassel. Lediglich während des 30-jährigen Krieges gelingt es dem Landgrafen Georg II von Hessen-Darmstadt, die Niedergrafschaft Katzeneln-bogen und damit auch Nastätten „kurzfristig“ von 1626 - 1647 in Besitz zu nehmen. Ab1648 geht der Besitz dann an die Landgrafen von Hessen-Rothenburg -Rheinfels, einer Seitenlinie des Hauses Hessen-Kassel.

Nach dem Zusammenbruch Preußens im Jahre 1806 kommt die Niedergrafschaft unter französische Herrschaft.

Obwohl Napoleon erst in der Schlacht von Waterloo 1815 endgültig geschlagen und nach St. Helena verbannt wird, werden die durch ihn besetzten Gebiete schon während der sogenannten Befreiungskriege neu verteilt. Bereits 1814 treffen sich die europäischen Fürsten und Staatsmänner zur Umverteilung der deutschen Gebiete in Wien. Auf diesem Wiener Kongress bekommt der Herzog von Nassau die Niedergrafschaft zugeteilt.

Ab 1816 sind die Bürger von Nastätten nun Untertanen im Herzogtum Nassau. Allerdings nur für 50 Jahre.

Weil man Nassau wegen seiner Zuneigung zu Österreich nicht traut und ein Krieg sehr teuer ist, kauft das Königreich Preußen 1866 dem letzten Herzog von Nassau Adolph das Herzogtum für 8,5 Millionen Taler ab. Bei dem damals üblichen Zinssatz von 5% entspricht das einer jährlichen Rente von 425.000 Taler.

Jeder verlorene Nassauer Untertan ist also etwa 1 Taler wert.

Nun sind die Nastätter Bürger eine zeitlang wieder Untertanen im Königreich Preußen. Nach dem verlorenen 1. Weltkrieg sind sie von 1918 -1919 wieder französische „Untertanen“. Nach dem verlorenen 2. Weltkrieg sind alle Nastätter 1945 zunächst amerikanische und dann wieder einmal französische „Untertanen“.

Seit dem 18. 5. 1947 sind alle Nastätter „Untertanen“ im heutigen Bundesland Rheinland-Pfalz.

 

- Zu den Stadtrechten

Dem seit dem 16. Jahrhundert meist als „Flecken“ bezeichneten Ort Nastätten sind niemals mit einer Urkunde die Stadtrechte verliehen worden. Offiziell als „Stadt“ bezeichnet wird Nastätten erstmals im „Verordnungsblatt des Herzogthums Nassau“ von 1817. Die Wertung als Stadt ist wahrscheinlich einfach nur von Amts wegen erfolgt.

 

- Zu dem Stadtwappen

Bienenkorb und Bienen: Das Wappen der Stadt Nastätten ist einzigartig.

Das Wappen hat keinen nachweisbaren historischen Hintergrund. Wahrscheinlich ist es erst nach der Eingliederung des Herzogtums Nassau in das Königreich Preußen, also nach 1866, von den damaligen Stadtvätern eingeführt worden.

Das erste bekannte Stadtsiegel hat 10 Bienen im Anflug auf den Bienenstock.

1908 wird auf Anregung des Königlichen Staatsarchivs in Wiesbaden das frei erfundene Stadtwappen umgestaltet. Das Wappenfeld erhält die historisch richtigen Farben – der Schild blau, der Korb gelb und die Bienen goldfarbig. Die Anzahl der Bienen wird auf 9 reduziert und die Bienen werden symmetrisch um den Bienenkorb angeordnet. Gleichzeitig werden auch die Stadtfarben blau/gelb für die Stadtfahne festgelegt. 1957 wird das Stadtwappen erneut geordnet bzw. modernisiert. Seitdem sind nur noch 5 Bienen im Anflug.

Warum haben die damaligen Stadtväter die Biene als Wappentier gewählt?

Seit letztem Jahr ist der wahrscheinliche Erfinder des einmaligen Stadtwappens bekannt. Der Geometer (Landvermesser) Friedrich Becher aus Braubach hat zwischen 1857 und 1866 die Gemeinde Nastätten vermessen und über 1.000 Haus- und Grundstückspläne gezeichnet. Sein um 200% vergrößerter Lageplan vom „Alten Rathaus“ zeigt einen Bienenkorb mit anfliegenden Bienen.

Weshalb Friedrich Becher 1864 der Meinung war, das Rathaus sei ein Bienenkorb, wird ein weiteres Nastätter Geheimnis bleiben.

- Was hat sich seit 1964 oder 1800  oder 1900 oder 2000 geändert?

Außer dem allgemeinen technischen Fortschritt nicht viel!

Nastätten ist nach wie vor ein gediegenes Städtchen mit über tausendjähriger Geschichte im milden Mühlbachtal.

Es gibt heute noch drei Hotels statt damals sechs oder sieben.

Das Waldschwimmbad wird immer noch gut genutzt.

Der Campingplatz auch.

Den Kleingolfplatz am früheren Hotel „Seidenfaden“ gibt es nicht mehr.

Dafür gibt es heute einen Platz wo man Boccia spielen kann.

Kenner und Freunde alter Architektur finden auch heute - dank einiger idealistischer Bürger- wieder lohnende Objekte.

Viele alte imposante Gebäude wie z.B. das Hotel „Zur Alten Post“

(Heute: Volksbank Rhein-Lahn) mussten „zeitgemäßen“ Gebäuden Platz machen.

Die Post- und Kleinbahnbusse sind durch andere Verkehrsgesellschaften ersetzt worden.

Der neue Zentrale Busbahnhof auf dem ehemaligen Kleinbahngelände ist der Knotenpunkt Nastätten.

Jeder Käuferwunsch kann nach wie vor erfüllt werden. Allerdings mussten viele kleine Geschäfte in der Innenstadt aufgeben. Dafür gibt es jetzt fünf große Supermärkte, einen Baumarkt und einen großen Markt für Elektrogeräte, Computer und Elektronik.

So ist Nastätten immer noch ein lohnendes Ziel und Mittelpunkt von den 33 Ortsgemeinden der Verbandsgemeinde Nastätten.

Auskunft gibt auch heute noch die Stadtverwaltung. Allerdings nicht mehr in dem schönen alten Rathaus. Das ist heute ein Restaurant.

Höchstwahrscheinlich wird zusätzlich auf einen großen Seniorenstift mit altersgerechten Wohnungen, betreutem Wohnen und ärztlicher Versorgung hingewiesen. Vielleicht auch auf einen Seniorenpark für Alzheimer-Patienten.

Um 2030 dürfte Nastätten ein gediegener „Vorgarten“ des Ballungsraums Frankfurt-Wiesbaden-Mainz sein.

 

Quellenverzeichnis

Chronik der Stadt Nastätten - 1992

Stadtarchiv Nastätten: Sammlung A13, A370

www.wikipedia.de

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