Neujahrsrede 2024 des Stadtbürgermeisters Marco Ludwig

Neujahrsrede

Sehr geehrte Nastätterinnen, sehr geehrte Nastätter, liebe Gäste,

- Es gilt das gesprochene Wort -

„Der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt, der andere packt sie kräftig an – und handelt.“

Mit diesem Zitat von Dante Alighieri begrüße ich Sie zum diesjährigen Neujahrsempfang.

Ich freue mich sehr, Sie hier alle in diesem wie jedes Jahr würdigen Rahmen begrüßen zu können. Jeden Einzelnen werde ich - auch in ihrem Sinne – nicht separat begrüßen können. Ich freue mich aber außerordentlich, dass sie so zahlreich meiner Einladung gefolgt sind und damit den Neujahrsempfang zu etwas Besonderem machen.

(Begrüßungen)

Bevor ich weiter in verschiedene Themen einsteige, möchte ich eines nicht vergessen zu erwähnen: Edeka….ist da. Ich freue mich außerordentlich, Herrn Pessios begrüßen zu dürfen (Eröffnungstermin 24.4.).

Es ist unsere Aufgabe als zentraler Ort und Mittelzentrum den Versorgungsauftrag sicher zu stellen. Wir sind mit den vielen anderen Supermärkten bestens aufgestellt. Edeka ergänzt und bereichert das übrige Angebot. Allen Unkenrufen zum Trotz war es nie so, dass wir keinen neuen Markt brauchten, sondern es ergaben sich immer neue Optionen und vor allem Zuwachs. Zuwachs an Kunden und Zuwachs an Einwohnerinnen. Aktuell können wir zum Jahresende 4.598 Einwohner vermelden. Eine tolle Zahl und eine Steigerung von 6,3 Prozent seit Ende 2018. Im Demografie Portal wird in unserem Bereich des Westerwald-Taunus von einer 0% bis -2% Veränderung ausgegangen von 2020-2024. Gut, wenn wir uns gegen die Prognose positiv verändern. Einwohner mit einem guten Altersmix sind die Grundlage für alles – Haushalt, Gewerbe, Einzelhandel. Alles braucht Menschen und Kunden. Mit dem Einzug des Homeoffice hat unsere Region aus meiner Sicht gewaltig gewonnen. Vollversorgt und mit wunderbarer Natur in unmittelbarer Nähe – wer will da nicht Leben und Arbeiten.

Die Vergrößerung des Einzugsgebietes unseres Einzelhandelsangebots generiert Kunden, die unser starker Einzelhandel und das Gewerbe benötigen. Damit halten wir Einkommenssteuer und Gewerbesteuer stabil und konnten diese sogar um einiges steigern. Bei beiden EKS sowie GWS liegen wir bei rund 2,0 Mio. Euro, +- 100.000 €. Zu was unser ansässiges Gewerbe fähig ist, zeigen viele Firmen – die Fa. Heymann als Global Player genauso wie z.B. Fenster Klein, die gerade ein großartiges Projekt im Ausland beginnen. Aber genauso wichtig ist der kleinteilige Einzelhandel und auch Büros. So wie die Werbeagentur Linder & Steffen, die eine europaweite Ausschreibung gewonnen haben. Mit Erlaubnis der WFG-Geschäftsführerin Tanja Steeg, die ich hiermit begrüße, haben wir den eigentlichen Film etwas gekürzt. Sehen Sie selbst: (Film)

Touristisch ist das aus meiner Erinnerung einer der dicksten Brocken, den wir seit langem im Kreis und für fast jeden Ort konkret in der Region gesetzt haben. Und es wurde Zeit, denn mit 3 Weltkulturerben muss die Region aus dem touristischen Dornröschenschlaf erwachen. Künftig können Sie in Nastätten und vielen anderen Orten die Pick-a-blue-Schilder (Schild) sehen, scannen und eine der über 700 Geschichten und Erläuterungen digital erleben. Natürlich sind wir da auch vertreten (23 Geschichten) Passend dazu werden wir zu Ostern einen neuen Rundwanderweg „Blau machen“ eröffnen. Ich verrate jetzt nicht zu viel. Seien Sie gespannt.

Die Stadt selbst entwickeln wir aus meiner Sicht in hohem Tempo weiter. 2023: 26 Sitzungen mit 157 Beschlüssen, davon alleine 91 im Stadtrat und 29 im Haupt- und Finanzausschuss sowie 35 im Bauausschuss sind denke ich eine stattliche Zahl. Dabei geht es thematisch um die Stadt, um Anträge von Bürgerinnen und Bürgern uvm. Mein Dank an das konstruktiv-kritische Zusammenarbeiten mit dem Stadtrat. Es macht Spaß, die Dinge an der Sache zu orientieren, die Stadt im Vordergrund zu sehen und um das beste Ergebnis zu ringen. Seit 2019 haben wir allein 41 Stadtratssitzungen gehabt und mit 822 Beschlüssen in den Gremien eine gewaltige Zahl abgearbeitet.  

Im Detail führt es hier sicherlich zu weit, die Dinge aufzuzählen. Im Kern sind es natürlich die Dinge des Städtebauförderprogramms „Stadtumbau“, dessen Titel wir getreu meines Eingangszitats ernst nehmen. Schauen Sie selbst in einem kurzen Abriss nochmal aus anderer Perspektive, was der Stadtrat in den letzten 4,5 Jahren alles in Gang gebracht hat (Film).

Und während der Bauphase sind es viele Dinge, die man sich noch nicht so gut vorstellen kann und erst nach Vollendung in der Blüte dastehen. So wird es auch hier sein. Aber in der grundsätzlichen Ausrichtung versuchen wir natürlich, den Flächenverbrauch zu minimieren und trotzdem das Wohnen und die Entwicklung zu fördern. Dazu ist es sicherlich unabdingbar, in der Innenstadt auch in die Höhe zu bauen, sprich die Stockwerksanzahl sukzessive zu erhöhen. Bis dato haben wir dabei rd. 150-200 Wohnungsräume inklusive der Neubaugebiete generiert. Und keine ist im Grunde frei. Unser Städtchen erfreut sich steigender Beliebtheit. Ein Ergebnis jahrelanger oder besser jahrzehntelanger ehrenamtlicher Arbeit in den Stadtgremien, gepaart mit den Förderinstrumenten von Bund und Land. Bekanntlich 9,5 Mio. Euro bei geplant ca. 80% Förderung haben wir zur Entwicklung von 2017-2027 an Möglichkeiten. Zuvor konnten wir 20 Jahre lang von der Stadtsanierung profitieren. Es tut sich also was…

Warum ist das so wichtig und rechtfertigt auch, dass man in einer Phase vieler Baustellen manchmal auch während einer Entwicklung (als Einwohner) genervt ist? Der Anspruch der Bürgerinnen und Bürger ist, dass wir die Stadt weiterzuentwickeln. Plätze zum Verweilen, Aufenthaltsqualität, Starkregenvorsorge, Entfaltungsmöglichkeiten für Gewerbe, usw. Dies alles sind legitime Forderungen, die an uns Kommunalpolitiker herangetragen werden. Dies fällt alles nicht vom Himmel, das ist harte Arbeit und teilweise sind es Prozesse, die im Dialog Kompromisse erfordern. Und manch einem geht es nicht schnell genug (mir übrigens auch nicht). Die Coronajahre haben uns am Ende doch ein wenig ausgebremst. Es ging ständig weiter, aber zäher und als man dachte, jetzt geht es wieder richtig los, hat insbesondere 2023 viel Kraft und Durchhaltevermögen gekostet. An dieser Stelle mein Dank an die Verwaltung, die uns dabei prima unterstützt hat.

KiTa, Containerlösung, Römerplatz, Abriss Lohbach, Neugestaltung vor der VoBa, Verkehrskonzept, Paul-Spindler-Straße, Friedhofsweg, Webergasse, Sauerbornsweg, Wohnmobilstellplätze, Schwalbacher Straße, Baugebiet Hasenläufer, Baugebiet Weiberdell II, Spielplätze, der Schwall, Breitbandausbau, Gewerbegebiet, usw. usw. – ein mannigfaltiges Portfolio, was wir angegangen sind und weiter angehen werden. Hinzu kommen die interne Veränderungen Digitalisierung. Dabei nenne ich nur beispielhaft eine neue Buchungsplattform für Räume, Wohnmobilstellplätze und Grillhütte, Videokonferenzsystem im Bürgerhaus, das Rats- und Bürgerinformationssystem, die Homepage wurde komplett überarbeitet, das Kommunale Immobilienportal erneuert, der Oktobermarkt wird mit einem Marktmeisterprogramm bearbeitet und viele Prozesse standardisiert und weiterentwickelt, Freies WLan in der Stadt, in den KiTas wurde eine App eingeführt und die Erzieherinnen mit Tablets ausgestattet und die sozialen Medien werden über Facebook, Instagram, der Whats-App-Sprechstunde und dem Whats-App-Kanal der Stadt bedient. Alles, um in einem sich stetig wandelnden Familien-und-Berufsleben trotzdem informiert bleiben zu können und den wachsenden Anforderungen an die Stadt gerecht zu werden.

Und auch ein Megathema – Gesundheitswesen – ist ein ständiger Begleiter. Hier gab es aber entgegen des Beginns der Legislatur 2019 viel Positives. Die Hausärzte, Physios, Augenarzt, HNO, Gynäkologie, Logopädie und auch vor allem unser Krankenhaus lassen uns schon auf eine gute Versorgungssituation blicken. Ich begrüße stellvertretend Jonas Wilbert, den frisch gebackenen kaufmännischen Direktor und Pflegedirektor des Paulinenstifts. Dass dieses Thema immer aktiv begleitet werden muss und wir wachsam bleiben, ist selbstverständlich. Dazu finden regelmäßige Besprechungen statt. Ergänzt durch unsere tolle Feuerwehr mit beeindruckenden Fahrzeugen oder dem DRK, mit dem wir Blutspendetermine und vieles mehr machen. An der Stelle mein Dank ans Kinocenter für den klasse Support.

Unser Städtchen zeigt sich also stabil und lebendig, auch die Brauchtumspflege und Feste kommen sehr gut an. Der Dank dazu auch an den Gewerbeverein, der anders als in vielen anderen Regionen sehr aktiv ist.

Wohnen ist hier immer noch gut möglich und bezahlbar. Die Mieten sind zwar herausfordernd für Investoren als auch Mieter, aber die Bauplatzpreise liegen beim neuen Baugebiet bei 135 Euro inkl. Kaltem Nahwärmenetz. Der Schnitt bundesweit für Wohnen liegt bei 200 Euro pro Quadratmeter. Damit das so bleibt, haben wir auch tolle Projekte vor der Brust, zwei Bauten, die kleine Appartements anbieten, so dass die Miete in Summe erschwinglich ist und riesige Wohnräume für Jung wie Alt nicht ungenutzt und teuer leer stehen. Auch kommt in Sachen sozialer Wohnungsbau wohl Bewegung in die Sache.

Neujahr ist ein Neubeginn und eine Fortsetzung und die Zeit von Vorsätzen und Wünschen. Die Zeit zwischen den Jahren hat mir in vielen Gesprächen Sätze wie „wir können doch zufrieden sein, wie es uns geht“ und ähnliches gespiegelt. Gemeint war stets der Blick auf die gesamtgeopolitische Lage und dass bei allen zu beackernden Punkten in Deutschland wir immer noch ein Land sind, in dem es einem gut gehen kann. Auch heiß diskutierte innerdeutsche Themen wurden bei differenzierter Betrachtung teilweise relativiert. Und wenn ich mir eines neben Gesundheit Wünsche, dann ist es weniger „Schwarz-weiß“ und mehr „grau-bunt“. Also mehr differenzieren. Themen sind selten eindimensional, oftmals ein Ergebnis von Kompromissen oder Zwängen, die man auf den ersten Blick nicht immer erkennt oder kennt, vor allem aber auch nahezu immer ein Geflecht von vielen Zahnrädchen, die ineinandergreifen und greifen müssen. Einzeln betrachtet liegen Lösungen oberflächlich betrachtet oft einfacher auf der Hand und bieten Lösungen geradezu an. Nichts ist so schlecht, dass es auch was Gutes hätte, sage ich des Öfteren – zuletzt wurde uns das in Sachen Digitalisierung und Homeoffice durch Corona gezeigt.

Was nicht gut läuft oder schlecht ist, muss konstruktiv-kritisch betrachtet werden, auch durchaus hartnäckig, aber es muss auch wieder in der Gesellschaft Platz dafür sein, dass man nicht nur Überschriften hinterherrennt und regelrecht alles schlecht sieht und redet. Sinnbildlich dafür habe ich vor einigen Tagen eine Karikatur gesehen, bei der eine Person nach Hause kommt, vollbepackt mit Feuerwerksmaterial und in der Sprechblase zur anderen Person sagt: „Butter ist wieder ein paar Cent teurer geworden“.

Verstehen Sie mich wie gesagt nicht falsch – man muss sich nicht mit Verschlechterungen zufriedengeben und wir sollten immer bestrebt sein, Dinge zu verbessern. Das hat Deutschland wie auch uns hier immer stark gemacht. Manche Diskussionen sind mir zu unsachlich, aber vor allem werden viele Veränderungen ohne Chance, erklärt zu werden, sofort kaputt geredet. Gepaart mit den sozialen Medien ist eine Korrektur oder gar ein anderes Ergebnis als vorschnell publiziert, kaum aus der Welt zu schaffen. Das ist nicht gut für uns und auch nicht für die Demokratie.

Es liegt an uns allen, wie wir uns aus Krisen und schweren Situationen herausziehen. Krisen zu meistern ist übrigens alternativlos, egal woher sie ihren Ursprung haben.

Die Frage ist nur nach dem „Wie (gut) machen wir das?“

Und ich finde, dass dies gelingen kann, haben wir oft hier und in der Region gezeigt. Sei es bei persönlichen Schicksalen oder größeren Hürden, die Solidarität und Krisenmanagement erfordert haben.

Die Stimmung bei uns untereinander ist besser als man es medial in Deutschland und für Deutsche suggeriert bekommt. Lassen Sie uns am guten Miteinander in unserer Region weiterarbeiten, Herausforderungen konstruktiv kritisch angehen und uns diese große Errungenschaft des Zusammenhaltens erhalten!

Es macht vieles leichter und es hilft uns allen.

In diesem Jahr stehen Kommunalwahlen (Kreis, VG, Stadt, Bgm.) an. Grundpfeiler unserer Demokratie können also von jedem Einzelnen bestimmt werden. Und jeder bekommt die Möglichkeit, sich aktiv einzubringen und das Allgemeinwohl zu gestalten. Nutzen Sie mindestens ihr Wahlrecht und es stehen Ihnen auch alle demokratischen Fraktionen zu Mitarbeit zur Auswahl.

Gestalten Sie auch durch ihre Stimme eine Wahl mit, die weniger greifbar ist, die ggf. für einen selbst weniger greifbar ist, weil die Personen kaum bekannt sind. Die Europawahl. Es gibt eine große Auswahl – Populisten braucht es keine. Sie kritisieren, haben aber keine Lösungen und suggerieren, dass Probleme einfach gelöst werden. Und es stimmt einfach nicht. Tatsächlich bringt es Spaltung. Arbeiten Sie daran mit, dass wir als Demokraten die Herausforderungen unserer Zeit meistern. Ein Weg, der sicherlich noch herausfordernd sein wird, aber den wir gehen, gehen müssen und am Ende auch erfolgreich beschritten haben werden. Davon bin ich überzeugt.

In diesem Sinne bedanke ich mich bei Ihnen allen für Ihre Aufmerksamkeit, wünsche Ihnen einen guten, erfolgreichen Start ins Jahr 2024 und vor allem Glück und Gesundheit.

Lassen Sie mich wie folgt schließen: „Man muss am Anfang eines Jahres gar nicht so viel tun, einfach das Neue zulassen.“

Ihr
Marco Ludwig
Stadtbürgermeister