Naturschutz und artgerechte Pferdehaltung - ein Erfolgskonzept in Nastätten


Der Beirat für Naturschutz des Rhein-Lahn-Kreises hat am 11.08.26 die Ausgleichsfläche „Schwaller Wiesen-Münchenroth“ bei Nastätten besucht, um sich vor Ort ein Bild von einem gelungenen Beispiel für Biodiversität und naturverträglicher Landnutzung des Plangebiets „Am Meilinger Pfad“ und der angrenzenden Feuchtwiesen der Ausgleichsfläche zu machen. Auf rund 25 Hektar hat die Stadt Nastätten in den vergangenen Jahren ein artenreiches Grünlandgebiet entwickelt – mit sichtbarem Erfolg für die Biodiversität.

Begrüßt wurden die Gäste von der Vorsitzenden des Beirats, Silke Dehe, und Stadtbürgermeister Marco Ludwig. Auch stellvertretender Vorsitzender Holger Drescher und Rolf Hussing, Vorsitzender für den Ausschuss des Beirates, nahmen an der Exkursion teil, ebenso Frau Knopp von der unteren Naturschutzbehörde und Frau Liebl, Klimaschutzmanagerin der VG Nastätten. Durch das Gebiet führten Michael Kürzinger (Büro für Landschafts-, Stadt- und Freiraumplanung), Malte Fuhrmann (Fachbüro BGnatur) sowie Ehepaar Heil vom benachbarten Waldgasthof, Hotel und Reiterhof.

Extensives Grünland zwischen drei Bachläufen

Die Ausgleichsfläche umfasst den Bereich Kändelwiesen, Schottenau, Saatgarten und Oberschwall mit Frisch- bis zu Feucht- und Nasswiesen zwischen den naturnahen Bachläufen Gronauer Bach, Klausbach und Mühlbach. Wo früher zum Teil stark überdüngte Ackerflächen lagen, ist heute dank der naturnahen, ressourcenschonenden Bewirtschaftung ein artenreicher Lebensraum entstanden.

Auch das Konzept des 2022 entwickelten Bebauungsplans „Am Meilinger Pfad“ der Stadt Nastätten im weniger feuchten Hang nahe dem Reiterhof ist aufgegangen. Michael Kürzinger erläuterte dem Naturschutzbeirat die planerische Vorgehensweise und Malte Fuhrmann stellte anschließend die Ergebnisse des Artenmonitorings vor: Untersucht wurden unter anderem Tagfalter, Heuschrecken, Vögel und Reptilien. Nachgewiesen wurden dabei etwa die in dieser Gegend häufig anzutreffenden Blindschleichen und Waldeidechsen.

Beweidung statt Mahd: Ein Erfolgsmodell für den Artenschutz

Ein zentraler Baustein des Konzepts ist die Beweidung durch die Pferde des benachbarten Reiterhofs. Dieser wird als Aktivstall geführt. Frau Heil stellte das mit der Naturschutzbehörde gemeinsam entwickelte Beweidungskonzept vor: Statt der ursprünglich vorgesehenen extensiven Mahd sorgen bis zu 30 Pferde für jeweils rund zwei Stunden auf der Wiese für eine schonende Nutzung der Fläche. Die Wiese dient dabei nicht als Futtergrundlage, sondern ergänzt lediglich das Futterangebot des Hofs. Damit die Fläche ausreichend Erholungszeit hat, ist sie in drei Parzellen aufgeteilt. Die Beweidung findet jährlich von Mitte Mai bis Mitte Oktober statt, ein Nachschnitt mit dem Balkenmäher beugt zusätzlich der Verbuschung vor.

Bei der Führung über 0,5 Hektar großen Reiterhof konnten sich die Gäste zwischen den frei laufenden, neugierigen Pferden selbst ein Bild von der artgerechten Pferdehaltung im Aktivstall machen.

Kleinteilige Feuchtwiesen gelten als besonders Schützenswert

Frau Heil berichtete außerdem, dass der Hof seit dem vergangenen Jahr am Programm Öko-Regelung 5 für Artenvielfalt auf Dauergrünland teilnimmt: „Obwohl ich keine Expertin bin, musste ich auf der beweideten Wiese kaum ein paar Schritte gehen, um alle regionaltypischen Arten der Liste zu identifizieren.“

Bei der gemeinsamen Begehung der Wiesen verschaffte sich die Gruppe im Detail einen unmittelbaren Eindruck von der Artenvielfalt der Gräser, Seggen und Binsen. Die Mitglieder des Naturschutzbeirats hoben besonders die kleinteiligen Feuchtwiesenbereiche als wertvolle Biotope hervor.

Bei der aktuellen Wetterlage mit großer Hitze und Trockenheit war deutlich zu erkennen, wie der Feuchtwiesenbereich eine Pufferzone bildet, in der sich Wasser deutlich länger hält als auf den umliegenden, bereits ausgetrockneten Wiesen und bewirtschafteten Feldern. Die feuchten Böden speichern Niederschläge wie ein Schwamm und geben sie über Verdunstung nur langsam wieder ab. Dieser Effekt senkt die Umgebungstemperatur spürbar und stabilisiert und den Wasserhaushalt der angrenzenden Bachläufe. Der Schutz und die nachhaltige Nutzung intakter Feuchtwiesen machen die Landschaft widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels und helfen bei der Bewältigung des Biodiversitätsverlustes.

Die Exkursion endete an den Feuchtwiesen Schottenau / Soder, einem Abschnitt, der, wie Herr Hussing betonte, das Kernstück des Feuchtgebiets mit besonders reicher Artenvielfalt darstellt.

Im Anschluss an die Exkursion tagte der Naturschutzbeirat in den Räumen der VG-Verwaltung Nastätten.

Kontakt:

Johanna Liebl
Klimaschutzmanagement
Verbandsgemeindeverwaltung Nastätten
Bahnhofstraße 1
56355 Nastätten
Tel: (06772) 802 – 377
E-Mail: johanna.liebl@vg-nastaetten.de